
Holstein: Auf Schwermetall zwischen Winnetou und Wacken
Zwischen Wacken und Winnetou liegen Kurven, Kanäle und viel Fahrspaß. Der Norden zeigt sich zwischen Bad Segeberg und Wacken von seiner schönsten Seite.
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Der Motorrad-Guide in der Holsteinischen Schweiz: die besten Strecken, Touren, Streckensperrungen, Sehenswürdigkeiten und Anreise.
Die Holsteinische Schweiz liegt im Osten Schleswig-Holsteins, grob zwischen Kiel und Lübeck, und verteilt sich auf die Kreise Ostholstein und Plön mit einem Ausläufer in den Kreis Segeberg. Der Naturpark Holsteinische Schweiz umfasst rund 75.300 Hektar und ist damit der größte der sechs Naturparks des Landes. Er reicht in Nord-Süd-Richtung vom Selenter See bis vor die Tore von Bad Segeberg und westwärts vom Großen Plöner See bis nach Schönwalde am Bungsberg. Rund 200 Seen liegen in diesem Raum — das prägt jede Tour: Wasser ist fast immer in Sichtweite.

Wer aus den Alpen kommt, muss die Erwartung justieren. Der Name ist eine Erfindung des 19. Jahrhunderts — er stammt von einem 1885 eröffneten Hotel, dessen Bezeichnung zunächst auf den Bahnhof „Holsteinische Schweiz" und dann auf die ganze Gegend überging. Passhöhen gibt es nicht. Die höchste Erhebung, der Bungsberg bei Schönwalde, misst 168 Meter über NN und ist zugleich der höchste Punkt ganz Schleswig-Holsteins. Was das Revier ausmacht, ist die Herkunft der Landschaft: eine Jungmoräne der Weichseleiszeit, ein Gewirr aus Hügeln, Rinnen und Toteisseen, das die Straßen in ständige kleine Anstiege, Senken und Bögen zwingt.
Genau daraus zieht die Gegend ihren Reiz fürs Motorrad. Die Landstraßen folgen der Moräne, statt sie zu durchschneiden: kurze Kuppen, hinter denen die Sicht für einen Moment abreißt, lange Ziehkurven um einen Seeschenkel, von Knicks — den typischen holsteinischen Wallhecken — gesäumte Abschnitte, die den Blick eng führen und dann über eine Wasserfläche wieder aufreißen. Es ist kein Kurvenrausch mit Höhenmetern, sondern ein gleichmäßiger Rhythmus aus Wechseln, der über eine ganze Tagestour trägt.
Das Straßengerüst ist überschaubar und gut zu merken. Die B76 bildet die Ost-West-Achse: von Kiel über Preetz und Plön nach Eutin und weiter Richtung Scharbeutz an der Lübecker Bucht. In Plön kreuzt sie die B430, die von der A23 bei Schenefeld quer durchs Land bis nach Lütjenburg an der Ostsee führt; der Abschnitt von Ascheberg über Plön nach Lütjenburg gilt als die landschaftlich schönste Etappe und läuft mitten durch den Naturpark. Im Norden zieht die B202 zwischen Selent und Lütjenburg am Selenter See entlang. Eingefasst wird das Ganze von zwei Autobahnen — der A21 im Westen, der A1 im Osten —, sodass sich das Revier bequem anfahren und in Schleifen abfahren lässt, ohne dieselbe Strecke zweimal zu nehmen.

Unter den großen Achsen liegt ein feines Netz aus Landesstraßen, das die eigentlichen Fahrsträßchen stellt. Um Bad Malente-Gremsmühlen binden etwa die L56 und die L174 den Kurort in die Runde ein und verzweigen sich zwischen den Seen. Die Gewässer geben dabei die Linienführung vor: der Selenter See mit rund 2.100 Hektar im Norden, der Kellersee mit gut 550 und der Dieksee mit knapp 390 Hektar in der Mitte, dazu ein Dutzend kleinerer Seen, um die sich die Straßen legen. Weil kaum ein Weg schnurgerade verläuft, ergeben sich fast von selbst Rundkurse — man hängt eine Landstraße an die nächste und ist nach dreißig, vierzig Kilometern über eine ganz andere Kette von Bögen zurück, ohne je auf eine hektische Hauptstraße angewiesen zu sein.
Die Orte sind die natürlichen Fixpunkte einer Runde. Plön sitzt direkt am Großen Plöner See, dem größten Binnensee des Landes; über der Stadt steht das Renaissanceschloss auf dem Schlossberg. Eutin, die „Rosenstadt", gruppiert sich um sein Wasserschloss und den Schlossgarten. Bad Malente-Gremsmühlen liegt zwischen Dieksee und Kellersee im Herzen der Seenkette; hier fließt auch die Schwentine hindurch, die viele der Gewässer verbindet und bei Kiel die Förde erreicht. Dazu kommen kleinere Ziele wie Lütjenburg, Oldenburg in Holstein oder das Gut Panker im Norden. Keiner dieser Orte ist weit vom nächsten entfernt — die Distanzen sind kurz, die Dichte an fahrbaren Verbindungen ist hoch.
Der einzige echte Anstieg von Belang ist der Bungsberg. Von Schönwalde führt die Straße stetig bergan; oben stehen ein hoher Sendemast, ein Fernmeldeturm mit frei zugänglicher Aussichtsplattform und der historische Elisabethturm von 1863. Bei klarer Sicht reicht der Blick weit über die Hügellandschaft bis zur Ostseeküste. Es ist der Punkt, an dem sich das flache Klischee des Nordens am deutlichsten widerlegt.

Zur Küste hin ändert sich der Charakter. Wo B430 und B202 bei Lütjenburg zusammenlaufen, öffnet sich die Landschaft zur Hohwachter Bucht; die Seenkette weicht Feldern, Knicks und dem weiten Horizont der Ostsee. Diese Nähe zum Meer prägt auch das Wetter: maritim, mild, wechselhaft. Schwüle Hitze ist selten, dafür kann eine Böe vom Wasser die Temperatur rasch drücken — Zwiebellook und ein Blick auf die Windrichtung gehören zur Tourenplanung. Die Saison trägt von den ersten milden Apriltagen bis in den goldenen Oktober, und gerade außerhalb der Ferienzeiten sind die Landstraßen angenehm leer.
Unterm Strich ist die Holsteinische Schweiz ein kompaktes, dicht vernetztes Revier für alle, die kurvige Landstraßen dem Kilometerfressen vorziehen. Kein Motorrad-Hochgebirge, sondern eine Moränenlandschaft mit eigenem Reiz: der ständige Wechsel aus Wald, Wasser und Hügel, kurze Wege zwischen sehenswerten Orten und dazu die Ostsee als Kulisse am Rand. Eine entspannte Tagesrunde bleibt gut überschaubar und lässt zwischendurch reichlich Zeit für einen Halt am Wasser. Wer den Rhythmus dieser Straßen einmal im Handgelenk hat, kommt für die Verbindungen wieder — nicht für die Höhenmeter, sondern für die Art, wie sich hier Kurve an Kurve reiht.
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